Quelle: Frankenpost 28.12.2011 

Ein Hörerlebnis in neuer Dimension

Roman Antonyuk aus Lemberg zieht mit seinem Gesang und den Klängen der Bandura die Zuhörer in der Wirsberger St. Johanniskirche in seinen Bann.

Von Horst Wunner

  • Roman Antonyuk, strahlender Bariton und versierter Bandura-Spieler, verzauberte seine Zuhörer in der St. Johanniskirche förmlich. Foto: Wulf 

Wirsberg - Man möchte sie festhalten, nicht enden lassen, sie aufsaugen. Dieser Slawe aus der Ukraine formt die Töne aus Bandura und Kehle so wunderschön, dass Sehnsucht und Glaube eine neue Bedeutung bekommen und die Seele mitschwingt. Roman Antonyuk aus Lemberg gab der St. Johanniskirche eine neue Dimension für ein Hörerlebnis, das Weihnachtskonzert hinterließ tiefe Spuren in der Gefühlswelt, wärmte das Herz und ließ die frostigen Temperaturen draußen vergessen.

Sein Repertoire umfasste an diesem Abend Lieder aus seiner Heimat, deutsche Weihnachtslieder und Stücke aus der orthodoxen Liturgie. Kecke Volksweisen ließen als Ausgleich zur Schwere zuweilen den Schalk des sympathischen Sängers und Bandura-Spielers aufblitzen. Ausgestattet mit einem kraftvollen, sonoren Bariton, der sich in reicher Fülle aus den Tiefen weit hinauf schwingt, und dem selten gespielten Instrument mit den 65 Saiten, dem er noch die zartesten Nuancen filigran zu entlocken vermag, versetzte der Künstler die Zuhörer in eine bannende Stimmung. Er brauchte nicht mal ein Mikrofon, die blendende Akustik des Gotteshauses unterstützte zusätzlich die großen Ausdrucksvarianten, hier war jeder Laut ursprünglich, echt und unverformt.

Antonyuk bewies in der Komposition von Joseph Haydn "Über die Berge weit", wie rein und leicht man schwierige Intervalle beherrschen kann, machte "Ewiger Gott", ein altes ukrainisches Lied, zu einem sakralen Genuss. Alle Tonarten der Bandura lotete er aus, wusste himmlische Klänge, ein bisschen scheinbar nicht mehr von dieser Welt zu intonieren: Die eigens komponierte Improvisation bestach durch kaskadenreiches Fingerspiel, ebenso das Konzert für Orgel B-Dur von Georg Friedrich Händel. Und im Gegensatz dazu sang er eine ukrainische Romanze vom Wunder der Liebe und ihrer Qual in traumhafter Sicherheit.

Großer Auftritt bei der Fußball-EM

Dass man mit dem ukrainischen Saiteninstrument auch einen Beatles-Song näherbringen kann, wurde mit "Yesterday" vermittelt. So innig und melodiös anders hört man das selten. Dem schon kräftigen Zwischenapplaus schloss sich ein langer Schlussbeifall an, Ausdruck eines Weihnachtsmärchens in Wirsberg.

Roman Antonyuk, gefragter Solist in verschiedenen Orchestern und in Europa auf Gastspielreise, fühlt sich in Wirsberg wohl: "Ich komme gerne wieder, Musik kennt keine Grenzen." Übrigens: Er darf als einer von vier Tenören bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polens großen Konzerthallen auftreten.

 

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